Corporate Language: Sprache als Ausdruck der Unternehmensidentität

Menschen, die sich beruflich mit Sprache beschäftigen, sind meist leidensfähig. Haben sie sich doch ein Tätigkeitsfeld gewählt, bei dem alle mitreden können. Denn Lesen und Schreiben sind fester Bestandteil der Schulbildung und Bildung verleiht Kompetenz. Obwohl dies eine unbestreitbare Tatsache ist, gibt es graduelle Unterschiede in der Fertigkeit der Sprachbeherrschung – insbesondere bei Corporate Language. Gerade in der Unternehmenskommunikation werden diese feinen Nuancen öfter sichtbar als es den Verantwortlichen lieb sein kann. Da präsentiert sich das innovative und unkomplizierte High-Tec-Unternehmen im Internet sprachlich schon mal als Buckelpiste juristischer Sprachverwehungen. Und ob jemand vor Glück schreit, wenn er liest, welches Ziel ein Anbieter mit seinem Online-Shop verfolgt, darf zumindest angezweifelt werden: „Unser Ziel ist es, unseren Kunden und Kundinnen ein breit gefächertes Sortiment topaktueller Schuhe und Modeartikel mit einem exzellenten Kundenservice und den Vorteilen des unkomplizierten und sicheren Online-Shoppings erlebbar zu machen.“

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Man mag darüber schmunzeln, dass es jemand geschafft hat, das Wort unkompliziert in diese komplizierte Konstruktion zu schmuggeln. Entscheidender aber ist der Eindruck, der hier über Sprache transportiert wird: das vermeintlich unkomplizierte Einkaufen in einem Online-Shop wird durch das Sprachungetüm ungewollt ad absurdum geführt. Und da liegt der Hase begraben oder der Hund im Pfeffer: Sprachlich knapp vorbei trifft oft genau den Nerv – allerdings den falschen.

Sicher, eine unglückliche Formulierung kann immer mal vorkommen. Nobody is perfect. Nicht selten mangelt es aber an einem grundsätzlichen Verständnis dafür, welchen Stellenwert Sprache für ein Unternehmen haben sollte. Corporate Identity und Markenbild mögen noch so sauber definiert sein, entsprechende Vorgaben für eine damit in Einklang stehende Corporate Language finden sich selten. Dabei ist das weder ein Hexenwerk noch braucht es ein Regelwerk, das den Umfang des Dudens sprengt. Das Bewusstsein für den Umgang mit Sprache im Sinne der Unternehmensidentität setzt die notwendigen Leitplanken automatisch. Dieses Bewusstsein zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe der Unternehmenskommunikation – und zudem eine kontinuierliche.

 

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